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Ein denkwürdiger Kinobesuch

von Spacedrops, am 22.04.2006 um 13:23, Rubrik: Was ist deutsche Leitkultur? | Kommentare 0

Es war wieder einmal so ein Freitag Abend, an dem ich nicht wußte, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte. Nach einem ausgefüllten Arbeitstag am Rechner hatte ich einfach keine Lust daheim herumzusitzen. Um 21.45 sah ich mich dann auf der Website des lokalen Kinobetreibers in Rosenheim um und entschloss mich “Das Leben der Anderen” anzusehen.

Die Maske der onLine-Reservierung verrät mir, daß für die Spätvorstellung nur noch 6 Plätze frei sind. Kein Wunder, denke ich mir, der Film läuft ja erst seit 3 Tagen. Also - Kino 5, drittletzte Reihe und immerhin ein Platz in der Mitte, 8.00 €. Ich schwinge mich auf mein Bike und rase los. Dort angekommen bietet sich mir keine 10 Minuten später auf dem Parkplatz und im Foyer ein Szenario regen Andranges.

Junge Burschen im Guerilla-Outfit und mit Pomade im Haar jonglieren mit ihren obligatorischen 1,5 l Colabechern und den etwas fragil wirkenden Nachos-Schalen zwischen den Warteschlangen herum. Ich genieße die strafenden Blicke einiger Ladies, die im Kreis stehend tatsächlich für einen Moment von ihren Handies ablassen können, um ein paar Bemerkungen über den Bikesattel in meiner Rechten zu verlieren.

Endlich an der Kasse angekommen weist mich der Kartenverkäufer darauf hin, daß via Internet reservierte Karten 30 Minuten vor Vorführungsbeginn abgeholt werden müssen. So ein Mist! Hätte ich mir doch denken können, daß nach den Lobgesängen der Kinokritiker die Vorstellung ausverkauft sein würde.

Gerade als ich den Gedanken fassen will wieder zu gehen, fragt mich der Verkäufer ob ich auch einen Platz in der letzten Reihe in der Mitte haben möchte. Etwas verdutzt und mit gewisser Erleichterung löse ich meine Karte und begebe mich zur Raucherecke auf der Galerie, um das Treiben im Foyer noch ein wenig zu beobachten.

Logisch, das City-Dome in Rosenheim hat 8 Kinos und das Volk verteilt sich auch auf die anderen Vorführungen. Immerhin laufen ja auch “Inside Man”, “Final Destination 3” und “Firewall”. Um 5 vor 11 betrete ich das noch merkwürdig menschenleere Kino 5 und mache es mir in meinem Sessel bequem.

Diese Vorführung kann also keineswegs ausverkauft sein. In Kenntnis darüber, daß die Werbung und die Ankündigungen der zukünftig erscheinenden Filme etwa 35 Minuten dauern, versuche ich mir einzureden, daß die anderen Besucher wohl noch nacheinander eintrudeln werden.

Doch schon wieder so ein Irrtum. Die Werbung ist vorbei und “Das Leben der Anderen” beginnt tatsächlich ganz für mich allein zu laufen. Ich sitze alleine in einem Kino mit 144 Plätzen, 2000 W Projektorleistung, 31 m² Leinwandgröße, 16,0 m Projektionsentfernung, SR-D Tontechnik und 3.600 W Verstärkerleistung.

Ulrich Mühe kann so auf mich noch intensiver wirken. Schön!


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