10.07.2006
Stolz - national-kollektives UnbewußtseinDer schwarz, rot, goldene Sommertraum der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mag wohl so manchem in positiver Erinnerung bleiben. Aus logistischer und organisatorischer Sicht kann man wahrscheinlich sagen, daß Deutschland als Gastgeber Weltmeister geworden ist, denn bei keiner der Weltmeisterschaften der vergangenen 36 Jahre wurde Vergleichbares geboten. Von einer Renessaince des deutschen Nationalstolzes zu reden, ist jedoch absurd. Ungeachtet des anmutigen Fußballspielens der Klinsmann-Elf, der Begeisterung auf den Fanmeilen dieser Republik und des nachvollziehbaren Dankes der Welt, die zu Gast bei Freunden war, möchte man daran erinnern, daß Deutschland vor 4 Jahren immerhin noch Vize-Weltmeister wurde und die Begeisterung für das deutsche Team hierzulande nicht geringer war. Sofern sich - wie nicht ausschließlich - Nationalstolz durch schwarz, rot, goldenes Fahnengewedel definiert, hat sich doch nichts geändert. Fallen einem da nicht die Bilder der vergangenen olympischen Winterspiele oder des Biathlon-Weltcups ein? Die deutsche Frauen-Fußball-Nationalmannschaft ist bereits oder immer noch Weltmeister, genauso sind die Deutschen Export-Weltmeister oder Reise-Weltmeister. Auch wenn es unterschiedliche Kriterien bei der Bewertung von Nationalstolz geben mag, eines liegt nun mal in der Natur der Sache. Stolz entspringt einer subjektiven Einschätzung eines Kontextes, der die eigene Person oder ihren Zusammenhang mit einem würdigen “Ganzen” betrifft. Insofern bleibt alles beim Alten, egal ob wir unseren Nationalstolz vor einem traditionellen Hintergrund oder einem abstrakten Empfinden unserer Wertigkeit als Fußball-Nation betrachten. Im Schatten des Mega-Events Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurden übrigens Belege dafür erbracht, daß sich in diesem Lande ganz und gar nichts “dreht”. Kurz vor der Sommerpause nutzten einige, in Person einer Hand voll Ministerpräsidenten für die Erhaltung der Demokratie verantwortlichen Despoten die Gunst der Stunde für unerträgliche Grabenkämpfe um die Macht in Berlin. Die großen Reformen muten inzwischen an, wie vergessenes und vergilbtes Plastikspielzeug in den Sandkästen unserer Plattenbauten oder Hochhaussiedlungen. Man gewinnt den Eindruck, daß die für die öffentliche Meinungsbildung Verantwortlichen dieser Republik den Wertehorizont, an dem sich der deutsche Nationalstolz wieder aufrichten soll, ganz bewußt nach unten manipulieren. Beim Drang nach Macht oder Anerkennung ist es inzwischen völlig gleichgültig, daß man sich am Ende als Hahn auf einem Misthaufen wiederfinden wird. Die Henne hängt nach wie vor ziemlich schief. Stolz leitet sich vom lateinischen “stultitia” ab, was soviel wie “Torheit” bedeutet. Insofern glaubt man gerne an einen wiederentdeckten Nationalstolz. Die grobe Masse der Deutschen stellt sich doch nach wie vor als Bier trinkende Nation von Intelligenzallergikern dar, die ihren Verstand, ihre Verantwortwortung für sich und das Land, in dem sie Leben, und ihre eigene Meinung an der Wahlurne abgeben. Durch diese Weltmeisterschaft haben sich Anzeichen für eine Entdemokratisierung Deutschlands eher gemehrt. Man ist nach wie vor nicht stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Noch kein Kommentar, schreiben Sie den Ersten!Sie sollten sich einloggen, um einen Kommentar zu schreiben. |
