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21.07.2007

Dekade der Massen-Outings

von Spacedrops (21), um 12:01:29, Hits (11,523)

Zur Zeit wird viel von Ethik-Codizes, Betrug und Wortbrüchen im Sport und der Politik berichtet. Die einen empfinden dabei Sehnsucht zur 68′er Zeit und rufen nach einer Schar neuer Rudi Dutschkes, die anderen quittieren die Berichterstattungen von Heiligendamm, EU-Gipfeln und sportlichen Großveranstaltungen mit nie dagewesenen Einschaltquoten und - man höre und staune - guten Noten für die Koalition, die Kanzlerin und ungebrochener Sympathie für Ihre Sportidole.

Erst waren es die deutschen Radsportprofis, nun ziehen große Teile des britischen Kabinetts nach. Innenministerin Jacqui Smith, die nach eigenen Angaben in jungen Jahren mehrmals Cannabis konsumiert haben soll, gab mit Ihrem späten Drogengeständnis den Startschuss für ein Massen-Outing des britischen Kabinetts. Offenbar sammelten mehr als die Hälfte der britischen Regierungsriege Erfahrungen mit dem Wirkstoff THC.

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Auch wenn wir hierdurch den Eindruck gewinnen könnten, daß die Truppe um Angi Merkel gemessen am sprichwörtlichen britischen Understatement und der mentalen Kühle auf der Insel demnach eine Horde durchgeknallter Junkies sein müsste, würde das weder etwas an den Meinungsumfragen noch am Ausgang der kommenden Wahlkämpfe ändern. Oder vielleicht doch?

In den 50′er bis 80′er Jahren wurden Canabis-Konsumenten öffentlich geächtet und als Menschen dritter Klasse abgestempelt. Okay, vielleicht stellte die bereits angesprochen 68′er Zeit eine kleine Ausnahme dar, doch der Konsum illegaler Drogen und der Umgang mit Leuten, die Drogen nahmen, war einfach nicht hoffähig. Dies war den Stars in Hollywood vorbehalten. Hat sich hier etwa etwas geändert?

Wir meinen ja, es hat sich etwas geändert. Zunächst einmal hat sich aus Sicht der Exikutiven und Judikativen das Feind - oder Täterbild drastisch geändert. Die Bösen sind nun nicht mehr so leicht von Otto Normaverbraucher mit dem 20-Euro-Haarschnitt und der Einheitskleidung zu unterscheiden. Sie sind einerseits überall unter uns und kaum von uns selber zu trennen, oder Sie sitzen andererseits von einem monströsen Medienaufgebot verfolgt und dem Volk hochgejubelt auf Ihren Rädern und donnern durch die Alpen oder halten Talkshows ab. Es gibt in diesem Sinne eigentlich keine kiffenden Gammler mehr. Schade eigentlich, da wußte selbst der dümmste Bulle von Tölz noch, woran er war.

Ganz ehrlich, bei den in nährerer Zukunft auf dem Kalender stehenden sportlichen und politischen Großereignissen darf man gespannt sein, wie sich die zu erwartenden, weiteren Massen-Outings auf die explosive Mischung von Medien, Lesern und Pixelkonsumenten auswirken wird. Möglicherweise sehen wir dann Bilder von Ackerman, Ullrich, Kleinfeld und Stoiber, wie sie statt des symbolischen Spatenstiches für den Bau einer neuen Sportarena, moderiert von von der Leyen, Raab und Pofalla im Rahmen sich neu definiernder Entwicklungshilfe Marihuana-Bäume in Afganistan pflegen.

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