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Fördern Schüleruniformen die Integration?

von Spacedrops, am 09.05.2006 um 03:12, Rubrik: Multikulturalismus | Kommentare 0

Integration fängt bereits in der Schule und im Kindergarten an. So wollen es uns Politik, Pädagogen, Sozialarbeiter und Fachleute glauben machen. Dankbare Handlanger dabei sind die Medien, die zur Primetime und auf den Top-Adressen im Internet schön brav mit am Rädchen drehen. Aber - unterstellen wir einmal, daß an dieser Feststellung etwas dran ist.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) wollte wohl im Zusammenhang mit Ausgrenzung und Diskriminierung an Schulen am ganz großen Rad drehen und hat sich bei dem Vorschlag, Einheitskleidung an Schulen einzuführen, mit ihrem Collier an diesem Rad verfangen. Anlaß dafür war wohl der 2-wöchige Ausschluss zweier Schülerinnen türkischer Herkunft auf einer Gesamtschule in Bonn, die nicht mehr ohne Burka am Unterricht teilnehmen wollten.

“Damit beseitigen wir nicht nur die Burkas, sondern auch Probleme, die sich durch soziale Unterschieden ergeben. Man mag diese Aussage der Justizministerin vor allen möglichen Hintergründen betrachten und wird sich immer die Frage stellen müssen, ob sie mit diesen Worten die Ressentiments, gegen die sie vorgehen will, doch nicht eher bedient. Man mag der Bedeutung der Phrase «Kleider machen Leute» im Zusammenhang mit religiöser oder sozialer Diskrimierung eine neue Qualität zugestehen, aber real in der Integrations-Problematik an deutschen Schulen angewandt darf ihre Gültigkeit bezweifelt werden.

Die Uniformierung kontroverser Gruppen in sozialen Systemen wurde (in dieser Nation) bereits oft genug dazu mißbraucht, den Mantel der Einigkeit über etwas zu stülpen, was naturgemäß unterschiedlich ist. Könnte Integration nicht auch bedeuten, das Individuum oder Randgruppen in der Findung ihrer Identität zu fördern, sie in ihrem Ich zu bestätigen? Die angeregte Freiwilligkeit der betroffenen Schüler, Schulen und Eltern kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Probleme aus dem Schulbetrieb heraus in andere Schauplätze des Alltags der Jugendlichen verlagert werden und es eher unwahrscheinlich ist, daß sie dort gemässigt zu Tage treten würden.

Typisch Deutsch: Ein Problem wird durch viel Getöse der großen Glocke von der Oberfläche des öffentlichen Interesses (dem Schulalltag) verbannt, damit die temporär oder mittelfristig Verantwortlichen zukünftig (besonders vor Wahlen) sagen können, man habe alles Notwendige getan. Unter der Makulatur (Schuluniform, Einheitskleidung) gährt das Problem allerdings weiter und es finden sich mit Sicherheit neue Schauplätze und Formen der Auseinandersetzung. In einer Zeit, in der die Welt zu begreifen beginnt, daß der Schlüssel für ein gedeihliches Miteinander - sowohl in kultureller als auch ökonomischer Hinsicht, im Kleinen wie im Großen - in der Toleranz und dem Repsekt vor dem anderen liegt, reagiert die deutsche Politik und Öffentlichkeit zutiefst pathologisch mit Vorschlägen zu nachweislich ins Verderben führenden, hysterischen Maßnahmen.

Es ist wohl nicht weiter verwunderlich, daß der Vorschlag von Brigitte Zypries ausgerechnet bei Unionspolitikern große Zustimmung findet. “Ich halte das für eine gute Idee”, so der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan äußerte sich bereits zustimmend.

Fortsetzung folgt…


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